1 Sofortreaktion
Sofort Notruf 110 wählen. Nach dem Eintreffen übernimmt die Polizei die Leitung; weitere Maßnahmen erfolgen ausschließlich in Abstimmung mit ihr.
Informationen für den Notruf
- Was geschieht oder ist geschehen? Wann und wo?
- Wie viele Täter:innen handeln und wie - Schusswaffe, Stichwaffe oder Geiselnahme?
- Wie viele Verletzte oder Tote gibt es?
- Wo befinden sich Schüler:innen und Lehrkräfte?
- Gibt es eine Täterbeschreibung?
Rückfragen abwarten, nicht selbst auflegen. Freie Telefonnummer der Schule, Kontaktperson und Erreichbarkeit angeben.
Zeitgleich: Warnung und Rückzug
Beispiel für die Lautsprecherdurchsage: „Achtung! An alle Personen im Schulgebäude! Wir haben eine Gefahrensituation. Schließen und verbarrikadieren Sie die Türen. Entfernen Sie sich von der Tür, suchen Sie Deckung und verhalten Sie sich ruhig. Warten Sie auf Anweisungen der Polizei.“
- Deckung hinter massiven Wänden und in sicheren Bereichen suchen; mögliche Schussfelder an Fenstern und Türen meiden.
- Türen abschließen und mit Möbeln verbarrikadieren.
- Leise verhalten, Handys lautlos stellen und gegebenenfalls Licht ausschalten.
- Wenn möglich Informationen am Fenster anbringen: Raumnummer, Telefonnummer der verantwortlichen Lehrkraft, Personen- und Verletztenzahl.
2 Eingreifen und beenden
Niemand darf sich unnötig in Gefahr begeben.
Sobald die Polizei vor Ort ist, übernimmt sie die Leitung. Alle weiteren Maßnahmen mit ihr abstimmen.
3 Opferhilfe und Maßnahmen
- Erste Hilfe bis zum Eintreffen ärztlicher Hilfe leisten; Eigenschutz beachten.
- Lagepläne des Gebäudes bereithalten.
- Notfallseelsorge und Krisenintervention werden bei Bedarf durch Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienst alarmiert.
- Wenn die Lage es zulässt, Informationen zu Tathergang, Täter:innen und Sachlage sammeln.
- Betroffene vor Medienvertreter:innen abschirmen.
- Tatort möglichst unverändert lassen.
4 Einbinden und informieren
- Schulpsychologischer Dienst.
- Schulaufsicht; bei Nichterreichbarkeit Notfallnummer wählen.
- Schulträger und Unfallkasse Saarland.
- Kollegium, Schulpersonal beziehungsweise Betreuung und Schüler:innen.
- Erziehungsberechtigte betroffener Schüler:innen und Elternvertretung.
- Informationsstrategie entwickeln. Keine Informationen an Dritte oder die Presse; dies übernehmen die Strafverfolgungsbehörden.
5 Nachsorge und Aufarbeitung
- Notfallpsychologische Angebote in enger Abstimmung mit Schulpsychologischem Dienst und Unfallkasse organisieren.
- Räume für ungestörte Einzel- und Gruppengespräche festlegen und Gesprächsgruppen anbieten.
- Je zwei Lehrkräfte für Gruppengespräche einteilen; niemanden zum Sprechen zwingen und ein alternatives Unterrichtsangebot ermöglichen.
- Hilfsangebote für Lehrkräfte organisieren und die Krise im Unterricht aufgreifen.
- Gesamtelternabend mit Schulpsychologie und externen Fachkräften organisieren.
- Krankenhausbesuch bei Verletzten vorsehen.
- Fallkonferenz mit schulischen und außerschulischen Unterstützungssystemen einberufen.
- Wiederaufnahme des Unterrichts sorgfältig vorbereiten und Betroffene auf weitere Hilfen hinweisen.
- Eltern- und Schülervertretungen nach Möglichkeit beteiligen.
Trauerarbeit
- Trauer oder Notfall altersgerecht im Unterricht aufgreifen - im Gespräch oder durch Zeichnen, Schreiben, Musik und darstellende Methoden.
- Symbolhandlungen wie Gedenkminute oder Kondolenzbuch organisieren.
- Für ein bis zwei Wochen einen Erinnerungsort schaffen und den Platz der verstorbenen Person zunächst freilassen.
- Teilnahme oder Mitwirkung an Trauerveranstaltungen mit den Hinterbliebenen abstimmen.
6 Ergänzende Hinweise
- Planungen müssen Unterricht, Pausen und Nachmittagsbetreuung umfassen und mit allen Verantwortlichen abgestimmt sein.
- Individuelles Notfallmanagement entwickeln: Rollen, Gebäudepläne, Ansagetext und Signalton festlegen.
- Technische Schutzmaßnahmen und Orientierungssysteme mit dem Schulträger abstimmen.
- Regelmäßige Abstimmung mit Polizei, Schulpsychologie, Schulträger, Unfallkasse und Elternvertretung.
- Keine Amokübungen in Anwesenheit von Schüler:innen.
Amoktaten werden häufig vorbereitet und können sich durch bewusste oder unbewusste Warnsignale ankündigen. Ergänzend die Seiten „Warnsignale Amok - Leaking“ und „Androhung einer Amoktat“ beachten.
Diese HTML-Seite ist eine redaktionell bereinigte Textfassung des gleichnamigen PDF-Dokuments des Ministeriums für Bildung und Kultur des Saarlandes.